Schön, dass Sie auf berliner-spreepark.de vorbei schauen. Hier erfahren Sie alles über den ehemaligen Berliner Freizeitpark.

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Kapitel 8: Zwei Urteile

Ein Straftäter, der in Moabit wegen Drogenhandel vor Gericht steht, kann sich anhand einer Faustregel selbst ausrechnen, wie hoch die Haftstrafe ausfallen wird: pro Kilo Kokain ein Jahr Gefängnis. Die Höchststrafe liegt bei 15 Jahren. Die Richterin verurteilte Witte zu nur 7 Jahren Haft, die er als herzkranker Mann wahrscheinlich in einer Klinik verbüßen würde. Die Begründung der Richterin lautete: "Die Strafe darf kein Todesurteil sein. Wir müssen ihm die Möglichkeit lassen, noch ein Leben in Freiheit zu führen."


Foto: Bis auf weiteres bleibt der Besuchereingang geschlossen!


Diese Chance wird seinem Sohn Marcel wohl verwehrt bleiben, denn in Peru bekam er für die gleiche Tat 20 Jahren Haft und wird das dortige Gefängnis voraussichtlich als knapp 50-jähriger Mann verlassen, sofern er es überlebt.

Norbert Wittes Ehefrau Pia ließ mittlerweile die Scheidung einreichen.


Foto: Mittlerweile hat der Liegenschaftsfonds diese Schilder rund um den Park anbringen lassen.

Zu diesem Zeitpunkt bemühen sich verschiedenste Unternehmen, darunter Tivoli Dänemark, der Stuttgarter Schausteller Rolf Schmidt (2007 verstorben), der Westerndorf-Besitzer Rolf Deichsel und die französische Firma "Grévin & Cie", eines der größten Freizeitparkunternehmen weltweit, um die Übernahme des ehemaligen Freizeitparks. Jedoch werden sie mit denselben Problemen konfrontiert wie die einstigen Spreepark-Betreiber. Auch die intensiven Bemühungen seitens dieser potentiellen Investoren, die gegebenen Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlich erfolgreichen Freizeitpark zu verbessern, scheiterten an den Verhandlungen mit Berlin und dem Liegenschaftsfonds. Auf kurz oder lang zogen somit alle Bewerber ihre Angebote zurück.


Foto: Dies war einmal der Hauptplatz am Eingang des Spreeparks.

Selbst die einzige Alternative seitens der Stadt, ein Parkhaus auf dem Grundstück bauen zu dürfen, überzeugte die potentiellen Investoren aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit nicht, da eine dreimonatige Belegung pro Jahr gegenüber circa 15 Millionen Euro Baukosten nicht rentabel ist. Der Spreepark GmbH wurde es seinerzeit abgelehnt, die bereits aus DDR-Zeiten bestehenden Zufahrtswege als Einbahnstraße mit Parkstreifen links und rechts der Strecke zu nutzen. Der Grund der Ablehnung war die Lage im Landschaftsschutzgebiet. Im krassen Gegensatz dazu sieht die oben genannte Alternative einen Ausbau des einspurigen Dammweges (Tempolimit 10km/h), der durch den Plänterwald zum vorgesehenen Parkhaus führt, zu einer 4-spurigen Straße vor. Infolgedessen würde man das Landschaftsschutzgebiet in seiner Mitte spalten, mehrere Baumbestände und Kleingärten würden diesem Plan zum Opfer fallen.


Foto: Der Parkplan: So sah der Spreepark 2001 aus.

Die Tatsache, dass das Areal knapp sieben Jahre nicht erfolgreich an einen Interessenten vermittelt werden konnte, kostete den Steuerzahler jährlich rund 250.000 Euro, die für Strom, Schneebeseitigung und Grünflächenpflege durch Ein-Euro-Jobber, Wachschutz und Insolvenzverwalter anfielen. Dabei werfen sich erneut einige Fragen auf:

Wieso wurde in einem geschlossenen Freizeitpark Schnee geräumt und Rabatten gepflegt?
Warum wurde ein Insolvenzverfahren ohne Masse so lange erfolglos aufrechterhalten?
Weshalb zahlte der Liegenschaftsfonds, somit die Steuerzahler, den Insolvenzverwalter?
War man überhaupt an einer erfolgreichen Vermittlung des Geländes interessiert?
Wieso wurde der Park während der Insolvenz nur sporadisch bewacht?
War die daraus resultierende Zerschlagung und Entwendung durch Eindringlinge gewollt, um das Objekt zu entwerten und somit für Interessenten unattraktiv zu machen?


Foto: Die Loopingbahn wurde nach Frankreich verkauft. Hier die Spuren, die sie im Spreepark zurück ließ.

Im Juni 2005 erhob der Spreepark-Insolvenzverwalter eine Räumungsklage gegen die 23 damaligen Bewohner des Westerndorfes. Am 16. Juli schalteten Mitarbeiter der BEWAG die Stromversorgung des Geländes ab. Damit wollte der Insolvenzverwalter Herr Wolfgang Schröder seiner Klage Nachdruck verleihen und Herrn Rolf Deichsel dazu bewegen, das Grundstück für eine Abfindung zwischen 100.000 und 300.000 Euro zu verlassen. Dieser wollte das inzwischen vermietete Westerndorf nicht für einen Bruchteil des eigentlichen Wertes hergeben.


Foto: Verwirrend für Touristen: Der Spreepark ist in Berlin noch immer ausgeschildert und wird teilweise in Freizeitpark-Portalen, sogar mit Euro-Preisen, vorgestellt, obwohl der Park im November 2001 geschlossen wurde.

Anfang der 90er-Jahre ließ Rolf Deichsel das Westerndorf für umgerechnet circa 1,9 Millionen Euro auf dem Spreepark-Grundstück als eigenständige Attraktion erbauen. Das lukrative Geschäft mit dem Saloon, den Gaststätten und Spielhallen weckte zunehmend das Interesse der damalige Spreepark GmbH, die das Dorf 1995 für umgerechnet 2,3 Millionen Euro kaufte.
Gezahlt werden sollte in 144 Monatsraten bis Dezember 2007. Im Vertrag ist vereinbart, dass bis zu diesem Zeitpunkt Deichsel die unentgeltlichen Nutzungsrechte für die Wohnungen im Westerndorf innehat. Durch das Ende des Spreeparks Anfang 2002 blieb die Spreepark GmbH ihm die Monatsraten schuldig, womit das Westerndorf vereinbarungsgemäß wieder in Deichsels Eigentum überging.

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Einen virtuellen Rundgang, Hintergrundinformationen sowie Archivmaterial (Fotos und Videos von Fahrgeschäften und Shows) finden Sie unter anderem auf der neuen ca. 8-stündigen Spreepark-DVD!

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