Schön, dass Sie auf berliner-spreepark.de vorbei schauen. Hier erfahren Sie alles über den ehemaligen Berliner Freizeitpark.

Fair

5°C

Fair

Kapitel 6: Auf und davon

Als Norbert Witte Ende September 2001 durch einen ihm bekannten Politiker erfährt, dass es seit 2 Jahren ein bislang geheim gehaltenes Gutachten gibt, in dem das bestätigt wird, was der Spreepark schon all die Jahre fordert, mehr Parkplätze, geht er sofort an die Presse. Als Konter wird Witte von der Senatsverwaltung vorgeworfen, der Spreepark habe am aktuellen Standort auch sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten, leide lediglich unter schlechtem Management.

Die Spreepark GmbH gibt auf und kündigt den Erbpachtvertrag und alle damit verbundenen Verpflichtungen. Sie sehen den Versuch, den ehemaligen VEB Kulturpark in einen Freizeitpark moderner Prägung umzugestalten, als endgültig gescheitert an. In ihrer Begründung schreibt die Spreepark GmbH, es sei nie vorgesehen gewesen, den Plänterwald ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung zum Landschaftsschutzgebiet umzuwandeln. Es wurden Erkenntnisse bezüglich des Landschaftsschutzes und das Hamburger Gutachten über die Parkplatzsituation vorenthalten.


Foto: Hierbei handelt es sich um das für das Jahr 1997 geplante 10 Millionen DM teure Geisterschloss. Aufgrund der Streitigkeiten mit der Stadt und des damit fehlenden Geldes wurde es nie fertig gestellt.


War der Senat nicht mehr gewillt, sich vertragstreu zu verhalten? Oder war er vielleicht von Anfang an gegen einen Freizeitpark und sabotierte deshalb das Unternehmen? Es scheint jedenfalls so. Dafür spricht unter anderem auch die Äußerung von Herrn Christian Muhs aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt aus dem Jahre 1998. Er wird von der Berliner Morgenpost wie folgt zitiert: "Der Freizeitpark ist ein Krebsgeschwür im Plänterwald."

Im Nachhinein betrachtet, war das Vorenthalten des Gutachtens über die Parkplatzsituation wohl der Beginn einer jetzt erfolgreich abgeschlossenen Chemotherapie.

Der Liegenschaftsfonds wies die Vorwürfe aus dem Kündigungsschreiben zurück und akzeptierte die Vertragskündigung von Seiten der Spreepark GmbH nicht. Eigentlich verständlich, denn das Land müsste in diesem Fall für den Schaden haften, der dem Unternehmen infolge vorzeitiger Beendigung des Vertrages entstanden war.


Foto: Die Parkeisenbahn "Santa-Fé-Express" auf dem Abstellgleis

Da die Kündigung des Vertrages nicht angenommen wurde, meldete die Spreepark GmbH Insolvenz an. Infolgedessen räumte das Unternehmen das Betriebsgrundstück nach der Saison 2001 und Familie Witte beschloss, während des laufenden Insolvenzverfahrens zusammen mit ihren Kindern, ihren engsten Mitarbeitern und sechs Fahrgeschäften nach Peru zu reisen.


Foto: Bei einem Blick hinter den Zaun sieht man den Karussell-Friedhof

Norbert Witte war laut der Presse auf der Flucht. "Abgesetzt" nach Peru, einem Land, welches kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland hat. Im Gepäck hatte er angeblich 30 Millionen Euro Schwarzgeld aus dem Spreeparkgeschäft sowie vermeintlich unberechtigt verschleppte Fahrgeschäfte.

Nach der Saison 2001 wurden mehrere Container beschafft, sechs Fahrgeschäfte ("Fliegender Teppich", "Butterfly", "Spider", "Baby – Flug", die Achterbahnen "Fun Express" und "Jet Star") abgebaut und verladen.

Doch war die "Flucht bei Nacht und Nebel" tatsächlich eine Flucht, wie es die Medien propagierten? Ein Blick hinter die Kulissen und Ereignisse des damaligen Geschehens wirft interessante Fragen und Erkenntnisse auf.


Foto: Alte Autos vom Auto-Scooter, kaputte Wagen vom Spreeblitz und durchlöcherte Gondeln der Wildwasserbahn findet man auf diesem Schrottplatz.

Warum sollte Norbert Witte flüchten und welche Rolle spielte er im Spreepark? Norbert Witte war nie Inhaber oder Geschäftsführer der Spreepark GmbH. Wenn man so möchte, war er neben seinen Tätigkeiten als Techniker und Pressesprecher lediglich durch seine langjährigen Erfahrungen und seine Rolle als Ehemann beratend im Unternehmen tätig. Der Fokus der Medien richtete sich nach dem Ende des Spreeparks jedoch auf ihn, weil der eigentliche Geschäftsführer, der Rechtsanwalt Hans-Ludwig Trümper, und die Eigentümerin Pia Witte über keine so spektakuläre Vergangenheit wie er verfügten. Zudem pendelte Norbert Witte nach der Schließung des Parks mehrmals zwischen Lima und Berlin, beispielsweise war er mit seiner Frau bei der Eröffnung des Insolvenzverfahrens anwesend. Von einer "Flucht" kann also nicht die Rede sein.


Foto: Alte Hütte im nie eröffneten Spreepark-Teil

Wie soll ein Mann allein und unbemerkt mit sechs Fahrgeschäften das Land verlassen?
Bereits im Sommer 2001 war es unter den Mitarbeitern bekannt, dass diese Saison die letzte im Spreepark sein würde. Die angeblich unauffällig entwendeten Fahrgeschäfte wurden in mehreren Containern, vorbei an der benachbarten Schrebergartenkolonie, dann quer durch die Stadt, nach Hamburg bis zum Zoll "geschmuggelt"? Um Deutschland in nichteuropäisches Ausland verlassen zu dürfen, prüft der Zoll zuvor die Eigentumsverhältnisse und ob das Ausführen der Fracht rechtens ist.

Sind die Fahrgeschäfte wirklich unrechtmäßig aus dem Park entwenden worden? Bei den besagten sechs Attraktionen handelte es sich um Mietkaufobjekte, die nicht zur Insolvenzmasse gehörten. Sie konnten von den Kindern der Familie Witte preisgünstig über die Leasingbanken erworben werden, da sie schon sehr alt und für den deutschen Rummel nicht mehr attraktiv waren.


Foto: Seit 2002 ist Theo Tintenklecks das Maskottchen vom Park Center Treptow. Sein Partyhaus steht direkt neben dem Einkaufscenter.

Warum Peru?
Schon zu Spreepark-Zeiten pflegte Familie Witte Kontakte zu befreundeten Schaustellern in Peru. Diese schlugen mehrfach vor, alte Fahrgeschäfte aus dem Spreepark dort weiter betreiben zu können. Norbert Witte war stets dagegen, seine Fahrgeschäfte ohne seine Aufsicht irgendwo aufbauen zu lassen. Aus den gegebenen Umständen ergab sich für ihn nun die Möglichkeit, seine Kinder nach Peru zu begleiten und den Aufbau der Geschäfte zu unterstützen. Er rechnete zu diesem Zeitpunkt mit einer Einstellung des Insolvenzverfahrens nach drei bis sechs Monaten, mangels Masse. Bis dahin wären die Geschäfte in Peru in Betrieb genommen worden. Anschließend wäre Herr Witte gemeinsam mit seiner Frau wieder nach Berlin gezogen und die Spreepark GmbH hätte den Parkbetrieb wieder aufgenommen.


Foto: Spreepark: Ein Besuch lohnt sich immer!

Norbert Witte sollte sich geirrt haben – zweimal sogar. In den gedachten drei bis sechs Monaten wurde weder das Spreepark-Insolvenzverfahren beendet, noch waren die Fahrgeschäfte in Peru in Betrieb gesetzt.

Die Familie bekam monatelang ihre Fahrgeschäfte nicht aus dem Zoll und konnte in dieser Zeit keine Einnahmen verbuchen. Die Peruaner suchten womöglich die - in den deutschen Medien erwähnten - 30 Millionen Euro Schwarzgeld, welche Wittes angeblich nach Peru "schmuggelten". Nachdem dieselben Medien richtiggestellt hatten, dass es keine Millionenschwarzgelder gab, wurden die Fahrgeschäfte ganz plötzlich, nach mittlerweile einem Dreivierteljahr, an die Familie übergeben. Der Zollhof verlangte nun jedoch für diese Zeit der Lagerung eine Standgebühr von 120.000 Dollar in bar, die Wittes nicht sofort zahlen konnten. Die deutschen Journalisten berichteten daraufhin, dass Norbert Witte in Peru erneut versagt habe.


Foto: Oliver's Acapulco Wasserspringershow: 1992 - 1994. 1997 gab es dann die Falcon Todesspringer, das Team war das gleiche.

Witte begegnete einem Peruaner, den er aus Berlin kannte. Er hatte dort für die Spreepark GmbH gearbeitet und verhalf Witte nun zu einem Kredit. Somit konnte die Familie ihre Container beim Zollhof auslösen. Sie stellten sich mit den sechs Fahrgeschäften in die Nähe eines Einkaufszentrums in Lima. Zunächst schien alles glatt zu gehen. Es dauerte nicht lange, bis nach und nach die Fahrgeschäfte kaputt gingen. Sie standen immerhin knappe neun Monate, verpackt in Containern bei hoher Luftfeuchtigkeit auf dem Zollhof. Zusätzlich geriet die Familie in die Fänge von Schutzgelderpressern. Für die Reparaturen der Geschäfte und das Schutzgeld nahm Norbert Witte mehrmals neue Kredite bei seinem Bekannten in Peru auf.

>>> Weiter auf die nächste Seite >>>

Einen virtuellen Rundgang, Hintergrundinformationen sowie Archivmaterial (Fotos und Videos von Fahrgeschäften und Shows) finden Sie unter anderem auf der neuen ca. 8-stündigen Spreepark-DVD!

KONTAKT

Christopher Flade
Burgemeisterstr. 56
12103 Berlin

Kontakt

PARTNER

Deutsches Spionagemuseum Logo Park Center Treptow DDR Museum Berlin
Theater am Kurfürstendamm Filmpark Babelsberg
Kauperts My Theo Hops und Hopsi Kinderprogramm